Volkshaus, Flinger Straße 11 und Wallstraße 10

Das Volkshaus, von der Flinger Straße gesehen, 1920er Jahre.

Das heutige Geschäftshaus an der Flinger Straße 11 wurde 1907 bis 1909 nach Plänen des Architekten Carl Moritz im Stil der Reformarchitektur erbaut.

Ein Merkmal der Reformbaukunst war die schlichte Monumentalität, die an der eindrucksvollen Fassade mit dem gebogenen Giebel zu erkennen ist. Bauherr war die eigens gegründete Volkshaus GmbH.

Ankündigung zur Feier des 1. Mai 1928 in der „Volkszeitung“.

Mit der Eröffnung des Volkshauses im Dezember 1909 erhielt die sozialdemokratisch geprägte Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung ihr erstes eigenes Haus in Düsseldorf.

Hier waren die Bezirksleitung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) für Rheinland und Westfalen-Lippe, Büros und Versammlungsräume anderer Gewerkschaften und der SPD sowie die Redaktion und Druckerei der SPD-eigenen „Volkszeitung“ untergebracht.

Luftbild der Düsseldorfer Altstadt, Mitte der 1930er Jahre. In der Bildmitte der Rathausvorplatz, oben (eingefärbt) erkennt man den charakteristischen runden Giebel der Fassade des Volkshauses.

Im Zuge der gewaltsamen Zerschlagung der Freien Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten überfielen am 2. Mai 1933 SA-Trupps handstreichartig auch das Düsseldorfer Volkshaus.

Der Reichstagsabgeordnete und Bezirksleiter des ADGB, Hans Böckler, wurde in seinem Büro verhaftet und in „Schutzhaft“ genommen. Einige andere Gewerkschafter konnten sich über den Hinterausgang des Gebäudes an der Wallstraße 10 in Sicherheit bringen.

Verbrennung der im Volkshaus geraubten Fahnen, Bücher und Akten auf dem Rathausvorplatz am 2. Mai 1933.

Die SA verwüstete die Büros.

Die Symbole der Arbeiterbewegung, Fahnen, Bücher und Akten wurden noch am selben Tag auf dem nahe gelegenen Rathausvorplatz verbrannt. Das Gebäude selbst wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt.

Sämtliche Gewerkschaften im Deutschen Reich wurden aufgelöst und in die „Deutsche Arbeitsfront“ überführt.

Auch die erst im März 1933 gewählten sozialdemokratischen und kommunistischen Betriebsräte in den Firmen wurden abgesetzt und durch Nationalsozialisten ersetzt.

Viele Düsseldorfer Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter überlebten die Verfolgung und Misshandlung durch die Nationalsozialisten nicht.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Region Düsseldorf-Bergisch Land und der Heimatverein Düsseldorfer Jonges e.V. setzten sich 2015 dafür ein, dass an der historischen Fassade des Volkshauses an der Flinger Straße 11 eine Gedenktafel angebracht wurde.

Literaturhinweis:
Dietrich Scheibe und Margit Wiegold-Bovermann (Hg.): „Morgen werden wir die Gewerkschaftshäuser besetzen.“ Die Zerschlagung der Gewerkschaften in Rheinland-Westfalen-Lippe am 2. Mai 1933, Essen 2003.

 

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