VERLÄNGERT bis 18. Dezember 2016
NEUES LAND. Hans Berben: Fotografien 1946 - 1951

Die Städte waren gezeichnet von den allgegenwärtigen Spuren des Bombenkrieges, ihre Bewohner von den körperlichen und mentalen Folgen der Kriegsjahre, der Verfolgung, von Wohnungsnot und Hunger. Im Alltag trafen Flüchtlinge, DPs (Displaced Persons) und frühere NS-Funktions­träger aufeinander. Geregelt wurde das Miteinander von der britischen Militärregierung. Sie wollte demokratische Strukturen aufbauen und gleichzeitig die Entnazifizierung der Gesellschaft vorantreiben. In Düsseldorf bündelten die Briten ihre Anstrengungen für den demokratischen Neuaufbau des zukünftigen Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf wurde 1946 Landeshauptstadt.

Der freie Journalist Hans Berben (1914–1979) war Chronist dieser außergewöhnlichen Jahre. Seine Kamera hatte er immer dabei, wenn er für die Zeitung „Rhein-Echo“ aus Düsseldorf und der Region berichtete. Er fotografierte die politischen Akteure des demokratischen Neuanfangs des Landes genauso wie die Kinder auf dem Schwarzmarkt. Seine persönlichen Kontakte in die Kulturszene erlaubten ihm ungewöhnliche Einblicke ins gerade gegründete Kom(m)ödchen und in die jüdische Nachkriegsgemeinde. Seine Fotos zeigen den ungeschminkten Alltag dieser Zeit. Stets haben sie den Menschen im Blick.

Anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung des Landes NRW werden die Bilder mit dieser Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zur Ausstellung erscheinen ein Bildband mit mehr als 200 Fotos sowie ein immerwährender Kalender. Siehe Publikationen.

Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und des LVR-Zentrum für Medien und Bildung mit Unterstützung der NRW-Stiftung, der Droste Verlag GmbH und der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung.

Einen Flyer mit weiteren Informationen und den Terminen der Begleitveranstaltungen können Sie hier einsehen oder herunterladen.

Der Eintritt ist frei.
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29
Öffnungszeiten: Di-Fr und So 11-17 Uhr, Sa 13-17 Uhr, Mo geschlossen

Mittwoch, 7. Dezember 2016
Krankenmord in Waldniel, 1944. Ein Fallbeispiel

Vortrag von Prof. Dr. Thomas Rütten

Der Vortrag ist Egon R. gewidmet, einem am 25. August 1930 nach einer erschwerten Entbindung mit der Little'schen Krankheit geborenen Jungen. Am 7. September 1943 wurde er als „Pflegefall“ in die Rheinische Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Johannistal in Süchteln eingewiesen und wenig später in deren Zweigstelle Waldniel verlegt. Dort starb er am 21. Oktober 1944. Prof. Rütten versucht anhand der erhaltenen Kranken- und Personalakten das letzte Lebensjahr von Egon R. zu rekonstruieren und stellt den Fall in seinem historischen Kontext dar. Dabei kann er sich auch auf unveröffentlichte Lebenserinnerungen von Egons Mutter stützen.

Prof. Dr. Thomas Rütten arbeitet als Medizinhistoriker in der School of History, Classics and Archaeology an der Newcastle University in Großbritannien. Er ist dort Mitbegründer und Direktor des Northern Centre for the History of Medicine and Medical Humanities.

Der Vortrag findet statt im Rahmen des Forums Medizingeschichte (History of Medicine Working Group) des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.

Der Eintritt ist frei.
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29
Beginn: 17 Uhr

Freitag, 16. Dezember 2016
Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma Europas

Kranzniederlegung und Filmvorführung

Die Bronzestatue „Ehra oder Kind mit Ball“ von Otto Pankok am Alten Hafen.

Am 16. Dezember 1942 gab der SS-Führer Heinrich Himmler den Befehl, die Sinti und Roma aus Deutschland und den besetzten Ländern in Konzentrationslager zu deportieren. Dieser „Auschwitz-Erlass“ war ein zentraler Befehl zum nationalsozialistischen Massenmord, dem bis zum Kriegsende eine halbe Million Sinti und Roma zum Opfer fielen. 1994 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 16. Dezember zum nationalen Gedenktag.

Mit einer Kranzniederlegung am Denkmal „Ehra“ erinnern wir an die ermordeten Sinti und Roma Europas. Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf und Roman Franz, Vorsitzender des Landesverbands NRW Deutscher Sinti und Roma, sprechen Worte des Gedenkens.

Unmittelbar nach der Kranzniederlegung zeigen wir in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf den Film „Dui Rroma“ von Iovanca Gaspar.

In dem 45-minütigen Film erzählt der 2015 verstorbene Sinto Hugo Höllenreiner dem Komponisten Adrian Gaspar die Geschichte seiner Verfolgung. Adrian Gaspar hat diese Geschichte in ein Oratorium umgesetzt. Der Film ist ein beeindruckendes Dokument des Zeitzeugen Hugo Höllenreiner, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat und der sein Vermächtnis, das Geschehene nie zu vergessen, an die junge Generation weitergibt.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Landeshauptstadt Düsseldorf, der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma NRW in Kooperation mit dem Netzwerk Respekt und Mut.

Kranzniederlegungam am Denkmal „Ehra“, Rheinort am alten Hafenbecken in der Altstadt um 17.30 Uhr,
anschließend Filmvorführung in der Mahn- und Gedenstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29.