Die Kommissare

Kripokarrieren zwischen Demokratie und Diktatur

Nach über vierjähriger Forschungsarbeit ist jetzt der Band "Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950)", herausgegeben von Bastian Fleermann im Auftrag des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., im Droste Verlag erschienen. Erstmals wird hier die Geschichte der Düsseldorfer Kriminalpolizei von den Zwanziger Jahren bis in die frühe Nachkriegszeit dargestellt.

Modernisierung nach dem Ersten Weltkrieg

Von Reformwille, Effizienz und Technikbegeisterung gestalteten die Kriminalbeamten nach dem Ersten Weltkrieg einen Neuanfang: Modernisierung, Bürgernähe und die Nutzbarmachung der Naturwissenschaften standen nun auf der Tagesordnung. Die Kripo sollte informieren und Präventionsarbeiten leisten, Kriminellen gegenüber jedoch hart und unnachgiebig sein. Mit der 1926 durchgeführten Verstaatlichung der Düsseldorfer Polizei arbeitete man auch hier am Imagewandel der Kriminalpolizei. Ein „Kriminalmuseum“ informierte die Öffentlichkeit, ein Polizeiwerbefilm zeigte in den Kinos den Polizisten „neuen Typs“. Erst die Mordserie des Peter Kürten 1929/30 brachte das neue Vertrauen wieder ins Wanken. Hysterie und Denunziantentum erschütterten die Rheinmetropole.

Zuständig für die gesamte Region

Die Nationalsozialisten nutzten die Kriminalpolizei zunächst für einen neuen Kampf gegen Bettler, Außenseiter, Dirnen, Trinker und „Arbeitsscheue“. Die Kripobeamten versprachen sich eine neue Zeit: Im „Dritten Reich“ sollte es kaum noch Kriminalität geben, und die Kriminalisten verstanden sich als „Ärzte am Volkskörper“. Gleichzeitig wuchs der Zuständigkeitsbereich enorm an: Als „Kriminalpolizeileitstelle“ war die Kripo Düsseldorf ab 1936 für die „Verbrechensbekämpfung“ in der gesamten Region verantwortlich. Sie überwachte die Arbeit der Kripo am Niederrhein, im Ruhrgebiet und fast in ganz Westfalen.

Verbrechen in der NS-Zeit

Neben der regulären Fahndungs- und Ermittlungsarbeit beteiligten sich die Beamten immer aktiver an den Verbrechen des NS-Regimes: Menschen wurden als angebliche „Asoziale“, „Gemeinschaftsfremde“ oder „Volksschädlinge“ regelrecht „aussortiert“ und in Konzentrationslager verschleppt. Sie wurden Opfer einer brutalen „Reinigung des deutschen Volkskörpers von unerwünschten Elementen“.

Das verantworteten die Kriminalisten von Rhein und Ruhr jedoch nicht nur an der „Heimatfront“, sondern nach Kriegsbeginn auch nahezu im gesamten besetzten Europa. Die Kommissare, von denen viele über Jahrzehnte hinweg im Dienst waren, beteiligten sich an Massenerschießungen, der Ghettoüberwachung und angeblicher „Bandenbekämpfung“. Kripobeamte aus Düsseldorf und dem Rhein-Ruhrgebiet wurden zu Kriegsverbrechern.

Demokratischer Neuanfang

Das Jahr 1945 beendete zwar die Strukturen und Massenverbrechen der nationalsozialistischen Kriminalpolizei, nicht aber die einzelnen Karrierewege der Beamten. Viele verblieben im Dienst – bis weit in die Nachkriegszeit hinein.

Unsere Veröffentlichung

Bastian Fleermann (Hg.): Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950)

Droste Verlag Düsseldorf, 2018, ISBN 978-3-7700-6032-0
498 Seiten, gebundene Ausgabe mit Leinenrücken und Lesebändchen, Großformat (22 x 30 cm) mit ca. 420 Abbildungen (49,00 €)

Mit Beiträgen von Wolfgang Antweiler, Walter Daugsch, Andrea Ditchen, Bastian Fleermann, Stefani Geilhausen, Markus Günnewig, Peter Henkel, Annette Janatsch, Hildegard Jakobs, Karin Kienast, Heidi Sack, Immo Schatzschneider, Joachim Schröder, Hermann Spix, Stephan Stracke und Waltraud Vietor.

Das Buch ist ab sofort bei uns sowie im Buchhandel erhältlich. Siehe auch Publikationen.

"Im Namen des Volkes ..."

Band 9 der Kleinen Schriftenreihe ist lieferbar

Die Autoren liefern erstmals einen Überblick über die Rechtsprechung im nationalsozialistischen Düsseldorf. Deutlich wird dabei, dass in ausnahmslos allen Kammern, die es zwischen 1933 und 1945 in der Stadt gab, Unrecht gesprochen wurde - und dies „im Namen des Volkes“.

Wer waren die Richter und Staatsanwälte, die in der Stadt wirkten? Nach welchen Rechtsgrundsätzen handelten die Juristen? Wer waren die Opfer der NS-Justiz und warum wurden sie verurteilt? Diese Fragen wurden über Jahrzehnte hinweg kaum gestellt. Das OLG sowie auch das Amts- und Landgericht und die Staatsanwaltschaften stellen sich ihrer NS-Vergangenheit erst seit jüngster Zeit.

Das Buch mit 90 Seiten und zahlreichen Abbildungen ist ab sofort bei uns und im Buchhandel zum Preis von 7 Euro erhältlich.

Genauere Informationen siehe Publikationen.

Die Toten des Novemberpogroms 1938

Ergebnisse eines Forschungsprojekts wurden vorgestellt

NRW-Staatssekretär Klaus Kaiser (l.) und Michael Szentei-Heise (M.), Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, erhielten den Forschungsbericht zu den Opfern der Pogromnacht 1938 von Dr. Bastian Fleermann. ©Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

Am 9. November 2018 jährt sich zum 80. Male die Reichspogromnacht. Im gesamten Deutschen Reich brannten damals die Synagogen, wurden Wohnungen und Geschäfte von Juden geplündert und zerstört. Diese Gewalthandlungen fanden in Städten und Dörfern unter den Augen der Bevölkerung statt. Doch waren es nicht nur Sachschäden, die bei den Novemberpogromen entstanden. Zehntausende Juden wurden in sogenannte „Schutzhaft“ genommen, gequält und körperlich misshandelt. Wie viele Menschen durch Mord, schwere Verletzungen, Schock oder Suizid ihr Leben verloren, wurde bisher niemals wissenschaftlich untersucht.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf startete deshalb im Februar 2018 ein Forschungsprojekt, das die Frage zu klären versucht, wie viele Opfer es im Bereich des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen gab. Dazu wurden über 420 Archive, Experten und Gedenkstätten systematisch abgefragt.  Man griff auf Sterberegister, Meldedaten und bereits veröffentlichte Literatur lokalgeschichtlicher Untersuchungen zurück. Das Ergebnis dieser Abfragen, die alle kritisch überprüft wurden, hat die Gedenkstätte nun vorgestellt: Mindestens 127 Menschen verloren während und kurz nach den Novemberpogromen ihr Leben - dies, wie gesagt, allein auf dem Gebiet des heutigen Landes NRW. Mit diesen Forschungsergebnissen ist Nordrhein-Westfalen das erste Bundesland, das auf Basis einer wissenschaftlichen Studie die tatsächliche Opferzahl vorlegt. Der (vorläufig) abschließende Projektbericht nennt auch die Namen und Biografien der Opfer, soweit diese zu ermitteln waren.

"Die Ergebnisse dieses Projekts machen deutlich, dass die in der Forschung über Jahrzehnte publizierte Zahl von 91 Toten im gesamten Deutschen Reich viel zu niedrig ist“, sagt der Leiter der Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann. „Diese Zahl stammt von den NS-Behörden selbst und wird bis heute immer noch in Ansprachen oder Darstellungen und selbst in Schulbüchern so kommuniziert".

Schätzungen, wie viele Menschen bei den Novemberpogromen im gesamten damaligen Deutschen Reich tatsächlich ums Leben kamen, sind kaum möglich. Man hofft, dass andere Bundesländer dem Beispiel folgen und ebenfalls ähnliche Forschungen initiieren.

Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen erklärte anläßlich der nun vorliegenden Studie: "80 Jahre nach der Reichspogromnacht nehmen antisemitische Übergriffe wieder zu. Umso wichtiger ist es, über die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuklären und die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Die Studie der Mahn- und Gedenkstätte zeigt nicht nur, dass im heutigen Nordrhein-Westfalen sehr viel mehr Menschen im Zuge der Novemberpogrome umgekommen sind, als bisher angenommen. Den Forschern ist es zudem gelungen, die Identität der Toten zu ermitteln. Die Opfer der Novemberpogrome sind nun keine anonyme Gruppe mehr, sondern Menschen, mit jeweils individuellem Einzelschicksal, dem wir uns stellen müssen."

Bei einer Pressekonferenz nannten die Projektbearbeiter Immo Schatzschneider und Gerd Genger Beispiele solcher Einzelfälle. In welcher Weise die Studie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, ist noch nicht entschieden. Dr. Hans Wupper-Tewes von der Landeszentrale für politische Bildung NRW, die das Projekt unterstützt hat, wünscht sich eine Veröffentlichung, die erweitert werden kann, denn die Untersuchungen sollen weitergeführt werden.

Henrike Tetz ist neue Vorsitzende

Die Mitgliederversammlung des Förderkreises wählte einen neuen Vorstand

Nach sechs erfolgreichen Jahren kandidierte Rainer Pennekamp nicht mehr. Die Pfarrerin und ehemalige Stadtsuperintendentin Henrike Tetz wurde zur neuen Vorsitzenden gewählt. 

Die Mitglieder dankten Rainer Pennekamp für sein außerordentliches Engagement, insbesondere während der Jahre des Umbaus und der Neukonzeption.

Neu im Vorstand sind nun auch die Journalistin Jeanne Andresen (stellvertretende Vorsitzende), der Historiker Robert Kieselbach (Schriftführer) und der Historiker Dr. Peter Henkel (Beisitzer). Alle wurden einstimmig gewählt.

Hinzu kommen die bewährten Mitglieder Dr. Dorothea Voß-Dahm, Prof. Dr. Volker Zimmermann und Klaus Winkes, die ebenfalls einstimmig wieder gewählt wurden. Laut Satzung zählt zum Vorstand noch der Institutsleiter Dr. Bastian Fleermann, der als geborenes Mitglied und Geschäftsführer nicht gewählt wird.

Bundesweites Gedenkstättenseminar in Düsseldorf

OB Geisel begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 64. bundesweiten Gedenkstättenseminars. (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Wilfried Meyer)

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf war Gastgeber des 64. bundesweiten Gedenkstättenseminars, das von der Bundeszentrale für poltische Bildung und der Berliner Stiftung Topographie des Terrors finanziert wird und in diesem Jahr unter dem Motto „Jugendliche in Gedenkstätten“ stand.

Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Bildungsstätten wie dem Berliner Haus der Wannsee-Konferenz und KZ-Gedenkstätten aus der gesamten Bundesrepublik wurden von Oberbürgermeister Thomas Geisel begrüßt. Er stellte fest, dass „Gedenkstätten, Erinnerungs- und Lernorte, die die Verbrechen der NS-Diktatur thematisieren und dem Andenken an die Opfer von Verfolgung und Ausgrenzung, Terror und Völkermord gewidmet sind, [...] heute selbstverständlicher Teil der politischen Kultur“ unseres Landes sind. „Sie sind [...] wahre Ermutigungsschulen für Demokratie und Menschenrechte, für Toleranz und Mitmenschlichkeit geworden.“

Während der dreitägigen Tagung wurden neben Vorträgen über die historisch-politische Bildungsarbeit zahlreiche Führungen und Workshops angeboten. Exkursionen und Fachdiskussionen fanden in Arbeitsgruppen statt. "Für uns ist diese Konferenz sehr wichtig, um die Vernetzung mit den anderen Häusern zu zeigen und aktiv zu leben“, erklärte Bastian Fleermann, der Leiter der Düsseldorfer Gedenkstätte.

Programm für das zweite Halbjahr 2018

Unser Programm für das zweite Halbjahr 2018 mit einer Vielzahl von Angeboten - Ausstellungen, Stadtrundgänge, Führungen, Vorträge u.a. - liegt jetzt vor. 

Über alle Termine informiert eine Broschüre, die in unserem Haus ausliegt und hier eingesehen und/oder heruntergeladen werden kann.

Mitglieder des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte erhalten das Programmheft mit der Post.

Erinnerung an die Pogromnacht 1938

Luise Oppenheimers Bericht

Familie Oppenheimer 1937.

Die Düsseldorferin Hannah Oppenheimer war gerade drei Jahre alt, als ihr Elternhaus an der Parkstraße 74 in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 überfallen wurde. Ihre Mutter, Luise Oppenheimer, wurde schwer verletzt, die Wohnung und das Chemielabor ihres Vaters, Walter Oppenheimer, völlig zerstört. Walter Oppenheimer selbst wurde geschlagen, verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Noch vom Krankenbett im Marienhospital aus begann Luise Oppenheimer, die Emigration ihrer Familie vorzubereiten. Im Februar 1939 konnten Walter, Luise und Hannah Oppenheimer Deutschland verlassen.

Luise Oppenheimer verfasste einen sehr detaillierten und bewegenden Bericht über ihre Erlebnisse während des Pogroms und das anschließende Ringen um die Ausreise. Sie schrieb diesen Bericht in das Kindertagebuch, dass sie nach der Geburt ihrer Tochter Hannah am 14. Oktober 1935 angelegt hatte.

Dr. Hannah Green-Sutton, geborene Oppenheimer, lebt heute in den USA. Sie und ihre Tochter reisten 2017 auf Einladung des Arbeitskreises aus der Evangelischen und der Katholischen Kirche, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf e. V. und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf aus Anlass des 79. Jahrestages des Novemberpogroms in die Landeshauptstadt.

Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Rückert- und des Leibniz-Montessori-Gymnasiums erinnerten sie in einem Gedenkgang am 8. November 2017 an ausgewählten Lebensstationen der Familie Oppenheimer in Düsseldorf an die Ereignisse des Novemberpogroms.

In der offiziellen Gedenkveranstaltung im Rathaus der Landeshauptstadt Düsseldorf am  9. November 2017 las die Schauspielerin Irina Scholz die Passage zum 9. November aus dem Kindertagebuch. - © Copyright Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf 2017

Ein neuer Besucherrekord

Im vergangenen Jahr konnte die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Lagen die Zahlen 2016 noch knapp unter 30.000, so wurden 2017 bei unseren Veranstaltungen, Führungen, Workshops und Bildungsangeboten insgesamt 33.485 Besucherinnen und Besucher gezählt. Dies ist ein Allzeit-Rekord, der uns uns mit Stolz erfüllt und gleichzeitig auch Ansporn ist, unseren Ansprüchen - und den Wünschen des Publikums - auch weiterhin gerecht zu werden.

Erinnerungszeichen für KZ-Außenlager in Düsseldorf

Erfolgreicher Abschluss eines großen Projekts

Ein Erinnerungszeichen steht auf der Schlüterstraße in Grafental.

In Düsseldorf gab es zwischen 1942 und 1945 fünf KZ-Außenlager, die über das Stadtgebiet verteilt waren. Diese historische Tatsache ist nur wenigen Bürgerinnen und Bürgern oder Gästen dieser Stadt bekannt. Sie wissen auch nicht, wie es den KZ-Häftlingen dort oder außerhalb der Lager bei der Arbeit erging, wer ihre Bewacher und Peiniger waren. Für die SS, die die Konzentrationslager betrieb, waren die Häftlinge ein wirtschaftlicher Faktor. Als „Sklavenarbeiter“ wurden sie an Unternehmen und Kommunen „vermietet“, die sie in der Rüstungsindustrie oder bei der Trümmerbeseitigung einsetzten.

Die Düsseldorfer Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5, auf deren Gebiet die KZ-Außenlager während der NS-Zeit bestanden, hatten 2014 die Mahn- und Gedenkstätte beauftragt, diese Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren. Nach umfangreichen Recherchen veröffentlichte der Historiker Dr. Peter Henkel die Ergebnisse in der Publikation „Die Düsseldorfer KZ-Außenlager“. Sie erschien 2016 im  Droste-Verlag und ist zum Preis von fünf Euro bei der Mahn- und Gedenkstätte und in jeder Buchhandlung erhältlich (siehe Publikationen).

In einem zweiten Schritt sollten die ehemaligen Standorte der KZ-Außenlager durch einheitlich aussehende Erinnerungszeichen im Stadtbild für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht und durch Informationstafeln der historische Hintergrund erklärt werden. In einem Projekt mit acht Düsseldorfer Schulen, die sich in der Nähe der ehemaligen Lagergelände befinden, arbeiteten engagierte Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte schulübergreifend an dieser Aufgabe.

Sie entwickelten die Texte für die Standorte und den Überblick über die KZ-Außenlager in der Stadt, das Aussehen und die Form der Erinnerungszeichen und überlegten sich geeignete Aufstellungsorte. Überdies erstellten sie eine Website zum Thema und planten eine zentrale Einweihungsfeier, die am 1. September 2017 im Düsseldorfer Rathaus stattfand. Von Oktober 2016 bis August 2017 haben insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler an diesem Projekt gearbeitet.

Beteiligt waren das Albrecht-Dürer-Berufskolleg, die Dumont-Lindemann-Hauptschule, das Franz-Jürgens-Berufskolleg, das Geschwister-Scholl-Gymnasium, das Goethe-Gymnasium, das Heinrich-Hertz-Berufskolleg, das Leibniz-Montessori-Gymnasium und das St. Suitbertus-Gymnasium. Koordiniert und wissenschaftlich unterstützt wurde das Projekt von Astrid Wolters und Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Unterstützung kam zudem vom Stadtarchiv Düsseldorf.

Gefördert wurde das Projekt durch die Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5, die Grafental GmbH, die Rheinmetall AG, die RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH, die Druckerei Berking KG sowie durch die Gestalterin Melanie Eigenrauch.

In einem Faltblatt, das u.a. bei den beteiligten Bezirksvertretungen und bei der Mahn- und Gedenkstätte erhältlich ist und hier eingesehen und/oder heruntergeladen werden kann, und auf der eigens erstellten Webseite www.kz-aussenlager-duesseldorf.de liegen die von den Schülern erarbeiteten Informationen zum Lagersystem in Düsseldorf und den Standorten sowie zur Geschichte jedes Außenlagers nunmehr vor. Eine Karte verortet die ehemaligen Lager im Stadtgebiet.

Henny Dreifuss ist verstorben

Henny Dreifuss, 1924-2017 (Foto: Veronika Peddinghaus)

Im Alter von 93 Jahren ist Henriette, genannt Henny, Dreifuss verstorben. Als Förderkreis-Mitglied und aktive Zeitzeugin war sie der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf seit deren Gründung in besonderer Weise verbunden. In zahlreichen Begegnungen mit Jugendlichen und Kindern berichtete sie in eindrücklicher Weise von ihren Erfahrungen als antifaschistische Widerstandskämpferin. Als junge Frau hatte sie sich der Résistance gegen die deutsche Besatzung in Frankreich angeschlossen.

Aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus in Mannheim, erlebte sie als Neunjährige den Machtantritt der Nationalsozialisten. Ihre Eltern flüchteten nach Frankreich, wurden nach der Besetzung des Landes verhaftet und später in Auschwitz ermordet. Henny hingegen konnte untertauchen. Unter dem Decknamen Marguerite Barbe und mit falschen Papieren erlangte sie eine Stelle bei den deutschen Besatzern und konnte so wertvolle Informationen für die Résistance sammeln. 1945 kehrte sie in ihre Heimatstadt Mannheim zurück, später wohnte sie in Düsseldorf.

Mit ihrer politischen Geradlinigkeit, ihrem Mut und ihrer Tatkraft hat Henny Dreifuss nicht nur uns beeindruckt. Um ihre Person hat sie nie viel Aufhebens gemacht, sie war humorvoll, direkt und herzlich. Aus tiefer Überzeugung hat sie sich zeitlebens gegen das Erstarken neofaschistischer und rechtsextremer Kräfte engagiert.

Wir werden Henny Dreifuss vermissen.

Neu: HistoriaApp by HHU

Historische Spurensuche mit dem Smartphone

Die HistoriaApp by HHU ist ein mobiler, digitaler Stadtplan und ein Geschichtsbuch für das Android-Betriebssystem. Sie wurde von Studierenden und Lehrenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt. Damit kann jeder mit seinem Smartphone oder Tablet-PC verschiedene Orte in Düsseldorf und deren Geschichte, zum Beispiel während des Nationalsozialismus, entdecken.

Die kostenlose App für Android (eine Version für iOS ist in der Entwicklung) wurde in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte und dem Stadtarchiv Düsseldorf entwickelt und steht ab sofort zum Download im Google Playstore bereit.

Alle Informationen hier: historia-app.de

Wir trauern um Tom Katz

Wir vermissen einen wundervollen Menschen und Freund

Tom Katz und seine Frau am 14. Mai 2015 im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses.

"Ich probiere noch mal etwas zurückzudenken an Düsseldorf, vielleicht heute Abend im Bett, dass mir noch etwas sehr wichtiges einfällt. - 'Ich träum´ als Kind mich zurücke, / Und schüttle mein greises Haupt; /Wie sucht ihr mich heim, ihr Bilder, /Die lang' ich vergessen geglaubt.'“
Tom Katz nach dem Interview mit Anne Ley, Meik Breer und Hildegard Jakobs in seinem Haus in Bentveld am 3. Juli 2012

Es verwundert nicht, dass Tom Katz am Ende des Interviews mit uns einen Vers des deutsch-französischen Dichters Adelbert von Chamisso zitiert. Der Dichter, der als „früher Bürger Europas“ beschrieben wird, der „die Gegensätze zweier Nationen erfahren und in seinem Leben zu vereinen“ gesucht habe. Auch Tom Katz hat in seinem Leben und vor allem in seiner Kindheit unterschiedliche Kulturkreise kennen gelernt, die ihn geprägt haben. Tom Katz ist am 2. Juli 2016 im Alter von 86 Jahren in Bentveld/Niederlande verstorben.

Tom Katz (links) feiert mit Freunden Karneval, circa 1936.

Geboren wurde Hans Thomas „Tom“ Katz am 15. Dezember 1929 in Düsseldorf als einziges Kind des Ehepaars Moritz und Regine Katz, geborene Heinemann. Sein Vater war Lehrer. Seine Eltern hatten sich erst spät kennengelernt, Regine Heinemann, die aus Amsterdam stammte, war schon 35 Jahre alt, als Tom zur Welt kam. Sein Zuhause war die Grunerstraße 19 im Düsseldorfer Zooviertel. Hier verbrachte er eine glückliche Kindheit. Er spielte mit Nachbarskindern und Freundinnen und Freunden im Zoo, feierte Karneval auf der Straße. Das Judentum spielte für seine Familie eine untergeordnete Rolle, doch die Auswirkungen der Machtübernahme der Nationalsozialisten betrafen die Familie unmittelbar: Sein Vater wurde 1933 aus dem Schuldienst entlassen und Tom konnte nur in die 1935 gegründete jüdische Volksschule eingeschult werden.

Im März 1938 beschlossen seine Eltern, Deutschland zu verlassen und nach Den Haag zu ziehen, wo Toms Großmutter wohnte. Nach der Besetzung der Niederlande zogen sie nach Driebergen. Im Spätsommer 1942 tauchte die Familie in Nijkerk bei einer Bauernfamilie unter. Das Dorf gehörte zum „Bibelgürtel“, die Bewohner waren in der Regel strenge Calvinisten. Immer wieder musste Familie Katz das Versteck wechseln. Tom Katz erinnerte sich an 18 Untertauchadressen. Viel Zeit verbrachte der kleine Tom mit Lesen.

Im Jahre 1944 erkrankte er an Polio. Durch die Hilfe holländischer Bürger konnte er von Spezialisten behandelt werden. Im April 1945 erlebte Tom zusammen mit seinen Eltern die Befreiung.

„…meine Erinnerung ist nicht, dass ich unglücklich war, ich sag auch immer, ich bin den Krieg durchgeflattert wie ein Schmetterling.“
Tom Katz am 3. Juli 2012

Im Jahre 1959 heiratete er seine Frau Matty und hatte mit ihr drei Kinder. Bis zu seinem 70igsten Lebensjahr arbeitete er als juristischer Berater.

TomKatz beim Interview 2012.

Über die Düsseldorfer Holocaustüberlebende Ellen Eliel-Wallach kam die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf in Kontakt mit Tom Katz. Angela Genger, die damalige Leiterin der Gedenkstätte, interviewte ihn erstmalig 2006. Schon damals war sie beindruckt von seiner Persönlichkeit und auch von der außergewöhnlichen (Über)Lebensgeschichte. In der Folgezeit standen wir im engen Kontakt mit ihm. Er kam mehrfach nach Düsseldorf, um uns für Veranstaltungen und Zeitzeugengespräche zur Verfügung zu stehen. Für die Darstellung seiner Biografie in der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte besuchten wir ihn in seinem Haus in den Dünen von Bentveld und zeichneten ein beeindruckendes Videointerview auf.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat Tom Katz am 14. Mai 2015 im Düsseldorfer Rathaus eine höchst bemerkenswerte Ansprache gehalten, die mit stehendem Applaus bedacht wurde. Den Wortlaut dieser Rede finden Sie hier.

Wir alle, seine Familie und seine Freunde, haben Tom Katz als wunderbaren und humorvollen Menschen kennen gelernt, den wir sehr vermissen und nicht vergessen werden.

„... aber die calvinistische Welt, die war mir völlig unbekannt. Und meine Eltern, ja die kannten diese Welt vielleicht aus Büchern, aber es war eine ganz, ganz andere Welt und sie hat mich auch beeinflusst. Also, wenn ich ein Etikett von mir geben soll, wie ich mich nenne: ein durch den Calvinismus beeinflusster jüdischer Atheist.“
Tom Katz am 3. Juli 2012

"Antisemitismus - Nein danke!"

Ein neuer Museumskoffer steht zur Verfügung

Der Museumskoffer und seine vielfältigen Inhalte.

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hat einen neuen Museumskoffer mit Arbeitsmaterialien zum Thema „Antisemitismus – Nein danke!“ entwickelt.

Das pädagogische Konzept fördert die Auseinandersetzung von Jugendlichen ab 14 Jahren mit den historischen und vor allem den aktuellen Formen des Antisemitismus. Zusätzlich wird Lehrkräften in der schulischen und außerschulischen Bildung Material an die Hand gegeben, das aufklärend zur Vorbeugung von Antisemitismus eingesetzt werden kann.

Der Koffer kann gegen eine geringe Gebühr für Projekttage, Projektwochen, die Vorbereitung und Durchführung einer Unterrichtseinheit im fächerübergreifenden Unterricht oder für die Arbeit in Jugendgruppen für maximal vier Wochen ausgeliehen werden.

Nähere Informationen siehe Museumskoffer.

Ansprache des Zeitzeugen Tom Katz

Tom Katz im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hielt der 85-jährige Zeitzeuge Tom Katz am 14. Mai 2015 beim Festakt im Rathaus eine höchst bemerkenswerte Ansprache, die mit stehendem Applaus bedacht wurde.

Diese Ansprache veröffentlichen wir hier im Wortlaut.